Ein Tag danach, mein Bericht aus Berlin:

Gestern am 1.8.2020 bin ich mit ca. 150 Menschen aus Paderborn nach Berlin aufgebrochen. Unterwegs kamen in meinen Chats bereits Nachrichten aus der Ordnergruppe Berlin an. Die Antifa habe die Ordner für den ersten Aufzug ab 11:00 unterwandert so dass spontan neue Ordner zum Brandenburger Tor gerufen wurden.

Um 12 Uhr kamen unsere beiden Busse am Tiergarten an und die Mitfahrer machten sich in Kleingruppen auf den Weg.

Ich habe ab 13:00 Ordnerfunktionen auf der Straße des 17. Junis übernommen. Über die gesamte Zeit sind mir ausschließlich friedliche, freundliche und offenherzige Menschen aus vielen verschiedenen Ländern begegnet. Die Organisation und Einweisung der Ordner war gut geplant und durchgeführt. Es gab für jeden Straßenabschnitt auch Deeskalationsteams, die aber nicht wirklich zum Einsatz kamen.

In dem Bereich, in dem ich mich aufgehalten habe, gab es keine Enge. Es war nicht groß anders als Samstags in der Fußgängerzone.

Kurz nach Beginn der Veranstaltung erfuhr ich von anderen, dass in den Medien bereits berichtet würde, die Versammlung sei von den Veranstaltern abgesagt worden. Erst über eine Stunde später wurde das auf der Bühne genannt, das Programm aber vorerst weitergeführt und weitere 30 Minuten später betrat erst die Polizei die Bühne. Die Veranstaltung wurde etwa ZWEI STUNDEN nach den Medienberichten aufgelöst. Seltsam, oder nicht?

Auch diese Auflösung habe ich für weitere 1,5 Stunden miterlebt. Es blieb durchgehend absolut friedlich. Die Menschen saßen auf der Straße und haben gesungen und teilweise sogar gebetet. Aufmarschierenden Polizeieinheiten wurde sogar noch applaudiert. Ich habe zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Übergriffe erlebt.

Ich habe gesehen, dass die Straße bis zum Brandenburger Tor vollständig gefüllt war.

Um 19:00 sind wir mit dem Bus zurück gefahren. Auf dem Weg dorthin begegnete ich mehreren Polizisten, die nur ratlos mit den Schultern zuckten. „Was soll ich dazu noch sagen…“ war eine Äußerung. Auch sie schienen das Vorgehen nicht nachvollziehen zu können.

Unsere Kleingruppen waren an den verschiedensten Orten der Veranstaltung. Überall war es nach deren Berichten friedlich. Menschen mit rechter Gesinnung sind keinem erkennbar aufgefallen. Eine Gruppe hat aber von einem Kamerateam berichtet, dass einer Gruppe folgte, die immer wieder Demoteilnehmer provozierte. Das erschien ihnen mehr als seltsam.

Durch diese Berichte erscheint mir das in den Medien dargestellte Bild der Berliner Demo als extrem unglaubwürdig. Unser aller Eindruck weicht deutlich davon ab. Ich bin gespannt, was die juristische Nachverfolgung der tatsächlichen Zahlen in Berlin ergeben wird.

Die „Welt“ berichtete, dass 18 Polizisten am Wochenende bei den Demonstrationen in Berlin verletzt wurden. Leider vergisst sie zu erwähnen, dass dies im Umfeld einer abgebrochenen Demonstration des linken Lagers in den späten Abendstunden im Bezirk Neukölln passiert ist. Ist das gute Pressearbeit? Wohl kaum!

Ich bin gespannt, wie es weiter geht.

Von Ulrike

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