„M-S-N“ Story

Es ist April 2020, eine verrückte Zeit mit sich häufenden unglaublichen Ereignissen.

Ich arbeite in der „stationären Jugendhilfe“ mit Kindern und Jugendlichen, wobei ich stets als Vorbild an ihrer Seite stehen möchte.

Mit Beginn der sogenannten „Maskenpflicht“ begann mein Dilemma.

Vorerst betrachtete ich diese Situation als sehr kurzfristig (so auch medial vermittelt) und versuchte für mich schon als Eigenschutz spaßig damit umzugehen. 

Als sich jedoch abzeichnete, dass dies eher eine langfristige Geschichte wird und ich merkte, dass ich in keinem Fall!!! diese ach so wichtige „Mund-Nasen-Bedeckung“ tragen kann, wurde es sehr unangenehm für mich als deutlicher Außenseiter.

Diesbezüglich wurde ich von meiner Vorgesetzten darauf hingewiesen (nett ausgedrückt), mich an die neue Verordnung zu halten oder einen Attest vorzulegen.

Mit Dank für diesen „Hinweis“ ging ich zu meinem behandelnden Arzt und bekam nach Offenlegung meiner Geschichte eben diesen Attest.

Ich ahnte nicht im Geringsten was nun geschah:

Es schien bei Vorlage dieses Schriftstückes nun ein persönlicher Angriff meinerseits vorzuliegen, denn sofort brauste meine Vorgesetzte auf und versicherte mir, dies müsse von „höherer Stelle“ geprüft werden! 

Es folgte ein weiteres Gespräch unter „sechs Augen“ mit dem Personalleiter, in dem ich buchstäblich auf der Anklagebank saß. Bisher konnte ich tatsächlich mit Attest all meine alltäglichen Wege ohne Probleme bestreiten. Dies fand jedoch absolut keine Akzeptanz.

Viel mehr warf man mir vor, weder ein Vorbild für die zu betreuenden Jugendlichen zu sein, wenn ich mich nicht an die Verordnung des Landes bzw die interne Verordnung hielte, noch im Dienst voll einsatzfähig sein zu können. Ich möchte dazu bemerken, dass es sich hierbei nur um Einkäufe mit den Jugendlichen, Arztbesuche, Wege in die Verwaltung (zusammen höchstens ca ein bis zwei mal in der Woche) oder um von der Chefetage ausgemalte „Worst case Szenarien“ geht. 

Ich bat um einen persönlichen Kontakt mit dem Betriebsarzt, um eine Überprüfung der Richtigkeit und Rechtfertigung meines Attestes zu bekommen. Dies untersagten sie mir sofort mit der Begründung, dass dieser Kontakt ihrerseits schon telefonisch geschehen sei. Der Betriebsarzt hätte ihnen bereits auf diesem Wege vermittelt, dass es sich hierbei um einen wohlwollenden Gefallen meines Arztes handeln würde. Darauf beriefen sie sich nun und trugen mir abschließend auf, kurzfristig einen Kompromiss zu finden um einsatzfähig für meinen Träger zu bleiben!

Darauf hin holte ich mir Hilfe bei einem Mitarbeitervertreter, welcher die Rolle eines neutralen Vermittlers einnahm. Dieser bestärkte mich unter anderem bezüglich eines Kontaktes zum Betriebsarzt. 

Direkt angerufen, die Bitte um eine Überprüfung meines Attestes auf Grund betrieblicher Ablehnung einem hörbar „säuerlichen“ Arzt vorgetragen, bekam ich vorerst einen Termin am folgenden Tag mit dem klaren Hinweis, unbedingt bei Besuch einen „Mund-Nasen-Schutz“ zu tragen! Vorerst dachte ich, ich hätte mich verhört! Sie wiederholte jedoch und ich erklärte noch einmal deutlich, dass ich diesen NICHT tragen könne und fragte, ob auf Grund dessen für die dringende Klärung ein persönliches Telefonat möglich wäre. Zwei Tage später kontaktierte mich der Arzt tatsächlich persönlich und entschuldigte sich bei mir sofort, nachdem ich erklärte, dass ich nicht, wie bisher von ihm angenommen, an einer Lungenkrankheit leide. Er gab sofort zu, medizinische Gründe wie den meinen noch nicht in Betracht gezogen zu haben und erklärte meinen Attest für gültig!

Der Leiter unserer Einrichtung erwartete mich zu einem weiteren Gespräch. Deutlich gab ich zu verstehen, dass ich diesem nur mit der Anwesenheit des Vertreters vom MAV zustimmen würde. Darüber war er sehr erbost, jedoch kam er um die Einwilligung nicht herum. Die Aussage des Betriebsarztes (schriftlich) im Gepäck,  ging ich tatsächlich von einem positiven Ende dieser unangenehmen Diskussionen aus.

Pustekuchen!!!

Erst einmal gab mir der Personalchef deutlich zu verstehen, dass er über die bereits untersagte Kontaktaufnahme zum Betriebsarzt verärgert sei. 

„Wohlwollend“ wies er mich tatsächlich an, die in meiner Arbeit erforderlichen Wege nun mit meinem MOTORRADHELM gehen zu dürfen, da ich diesen ja scheinbar in meinem Freizeitbereich beim Motorradfahren nicht ablehnen würde und der Schutz anderer Menschen Vorrang habe!

Ich glaubte an einen Scherz und musste vorerst schmunzeln als ich ging, da mir vorangegangen das Team mit einer dementsprechenden Arbeitsaufteilung Unterstützung zusagte. Alles klappte wunderbar und ich wog mich irgendwie in Sicherheit!

Den Ernst dieser Geschichte erkannte ich jedoch erst wirklich, als mir meine Gruppenleitung (gerade aus dem Urlaub zurück) unmissverständlich klar machte, dass sie diese Absprache unter den Kollegen nicht dulde und ab sofort einen von mir hinterlegten Motorradhelm im Arbeitsfeld erwarte!!!…

Nun habe ich nicht mehr „nur“ eine „Maskenphobie“…

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